Angedacht

Unter dieser Rubrik sollen in loser Folge Denkanstöße gegeben werden, "unfrisierte Gedanken" (Stanislaw Lec), auch Gedichte.



"Ein Weihnachtsklagelied" von Marco Michalzik (Schluß)

Freue dich Welt,
daß du dir nicht selbst überlassen worden bist.
Auch wenn es sich manchmal verdammt danach anfühlt.
Freue dich Welt,
daß die Liebe mehr Leuchtkraft hat
als dieser hinterhältig häßliche Haß.
Freue dich Welt,
daß dein König dir naht.

Gloria in elxecis deo und
Friede auf Erden bei den Menschen, die er gerne hat.

Und ist es nicht ein wenig tröstlich,
daß, während die Nacht anbricht,
das Licht der Welt geboren ist?

Dieses unscheinbare Kind unbedeutender Eltern.
Hilflos und wehrlos
und gleichzeitig sehr groß.
Er, der Leben schuf mit einem Wort.
Bindet sich ganz fest zu uns
an einen Ort.
in einer Krippe aus Holz, von nem Baum, den er selbst gemacht hat,
in nem Stall aus Holz, von nem Baum, den er selbst gemacht hat,
atmet er die ersten behutsamen Atemzüge Sauerstoff,
den er selbst in die Atmosphäre gelegt hat, auf einem Planet,
den er dorthin gehängt hat, wo er sich nun dreht.

Seht!
Der König des Friedens!
Immanuel. Gott ist bei uns!
Freue dich Welt!
Dein König ist dir nah!
Er!
Die Liebe in Person.
Der den Unsichtbaren sichtbar macht und mitten unter uns wohnt.
Er stürzt sich hinein.
In die stinkenden Fluten
unseres Teichs der Ungerechtigkeit,
und stellt seine Füße mit uns gemeinsam mitten ins Leid.

Und deshalb lachen wir mit den Lachenden.
Feiern mit den Feiernden,
klagen mit den Klagenden
und weinen mit den Weinenden.

Und feiern irgendwie auch wie sie fallen,
diese Feste,
weil wir glauben, daß der Schöpfer des Alls
uns alle nie mehr fallen läßt.