Angedacht

Unter dieser Rubrik sollen in loser Folge Denkanstöße gegeben werden, "unfrisierte Gedanken" (Stanislaw Lec), auch Gedichte.



Zur Jahreslosung:

"Ich will dem Durstigen geben von der Quelle
des lebendigen Wassers umsonst"

Nichts auf der Erde wandelt seine Gestalt
so leicht wie das Wasser.
Es fällt als Regen, durchwandert die Erde,
kommt als Quelle ans Licht,
steigt auf als Nebel oder senkt sich herab als Tau.
Es wird zu Seen und Flüssen, zu Wolken über dem Land
und das Licht gibt ihm seine Farbe:
blau in der Tiefe des Teiches,
rot am Himmel über der senkenden Sonne.

Viele sagen: Ich werde glücklich sein,
wenn ich reich bin oder gesichert,
wenn ich geliebt bin und anerkannt,
wenn ich gesund bin und mir nichts mangelt.
Und bestimmt sind dies Elemente des Glücks.

Aber wenn nicht in uns selbst etwas lebendig ist,
quillt das Glück nicht auf Dauer.
Rings um uns wandelt sich alles
und wir werden erst glücklich sein,
wenn wir uns dem Gesetz
der Wandlungen überlassen.
Niemand bleibt, wie er ist,
und nichts bleibt um uns her.
Wer aber festhalten will, was jetzt ist,
wird sein Glück verlieren.

(Jörg Zink, Wo das Glück entspringt, Herder)